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Tadasana

Und die Geschichte dahinter


Vor einer Ewigkeit wurde die Welt von einer grossen Dürre heimgesucht und alle irdischen Wesen waren vom Tode bedroht. Als Vishnu das laute Weinen von Erdgöttin Prthvi hörte, suchte er umgehend Brahma auf, um ihn um Rat zu fragen.

Brahma sagte mit ruhiger Stimme: „Ja, es scheint mir, dass in Zeiten der Dürre nur eines hilft, nämlich Wasser.“ Vishnu erwiderte ungeduldig: „Aber es gibt auf der ganzen Welt keinen einzigen Tropfen Wasser mehr!“ „Na gut, dann solltest du von wo anders Wasser umleiten. Ich habe ja noch manch anderes Geschöpf und manch anderes Reich geschaffen. Geh zu Ganga, dem himmlischen Fluss, und bitte sie, zur Erde hinabzusteigen.“ und mit diesen Worten vertiefte sich Brahma wieder in seine Meditation.

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Als Ganga Vishnu‘s Bitte hörte, lachte sie nur höhnisch: „Selbst wenn ich mein Himmelreich hier verlassen und zur Erde hinabsteigen wollte, ich würde die ausgetrocknete Erdkruste bloss in tausend Stücke reissen mit meiner Wucht. Nein! Das würde ich nie tun!“

Zurückgewiesen verliess Vishnu das Reich von Ganga und kehrte zu Brahma zurück, um ihm die Lage zu schildern. „Schon wieder hier, Vishnu?“, murrte Brahma, kratzte sich an seinem himmlischen Kopf und überlegte laut: „Ich kenne zwar die Antwort des Dilemmas noch nicht, doch sagt mir meine Intuition: geh zu Shiva - er wird wissen, was zu tun ist.“
Vishnu eilte so schnell er konnte zu Shiva‘s Reich. Dieser verweilte in kraftvoller Meditation in den höchsten Gipfeln des Himalaya Gebirges. Seine Haut war mit heiliger Asche überzogen, sein Körper mit einem Tigerfell bekleidet. Gnädig unterbrach Shiva seine kosmische Trance, öffnete die himmlischen Augen einen Spalt breit und sagte zu Vishnu: „Mein immerwachendes drittes Auge ist bereits Zeuge von den Geschehnissen. Geh zurück zu Ganga und sag ihr, dass ich sie auffordere, zu mir zu kommen! Ich werde mich um den Rest kümmern.“

Stolz wie immer, doch schlau genug, der Bitte von Shiva zu folgen, warf sich Ganga der Erde entgegen. Sie floss direkt zu Shiva, überzeugt davon, die Welt in Stücke zu bersten. Doch Shiva stellte sich auf den höchsten Punkt des Berges, seine Füsse fest verankert im Grund, sein Kopf aufrecht gestreckt, um Ganga‘s turbulente Macht zu empfangen.
Und es geschah, dass der himmlische Fluss sich verlangsamte. Ganga wurde von der yogischen Präsenz von Shiva geerdet. Die Zeit verlangsamte sich, die Reiche von Shiva und Ganga flossen ineinander, um sich zu vereinen. In diesem berauschenden Zustand erfuhr Ganga sich selbst nur noch wie ein einzelner Tautropfen, der wie betrunken von Shivas machtvoller Ausdehnung seinem Körper entlang ehrvoll und liebend hinabfloss.

Beruhigt von Shivas erdender Kraft floss Ganga in die Welt hinein, wo sie nährend und reinigend unzählige Seelen beglückte. Und von da an tat sie es jeden Tag in Dankbarkeit für Shivas Anmut.